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Huntington   (Veitstanz)   gegeben   sein.   Das   Kriterium   lässt   sich   im   Rahmen   der   Befunderhebung   sicher

 

identifizieren.

 

Ausgeprägte motorische Verhaltensauffälligkeiten mit Selbst- oder Fremdgefährdung

 

Die   andere   besondere   Bedarfskonstellation   tritt   bei   Personen   mit   hochgradigen   kognitiven   und   bzw.

 

oder   psychischen   Einschränkungen,  aber   erhaltener   Mobilität,   und   hochgradiger   motorischer   Unruhe

 

oder   anderen   extremen   Verhaltensauffälligkeiten   auf,   die   einen   hohen   personellen   Aufwand   verursa-

 

chen.

 

Die ausgeprägten motorischen Verhaltensauffälligkeiten mit Selbst- oder Fremdgefährdung lassen sich

 

als Kriterium für diese Bedarfskonstellation bei der Befunderhebung identifizieren. Bei der Befunderhe-

 

bung   sind   allerdings   Tagesschwankungen   zu   bedenken,   so   dass   die   Operationalisierung   dieses   Items

 

einer weiteren Klarstellung bedürfte. Da dieses Kriterium auch bei Personen in niedrigeren Pflegegraden

 

vorkommen kann, wäre zudem eine Abgrenzung zu den im Modul 3 abgefragten Verhaltensauffälligkei-

 

ten   erforderlich.   Gemeint   sind   hier   Personen   mit  einem   besonders   intensiven   Beaufsichtigungs-   und

 

Betreuungsbedarf rund um die Uhr, die nicht nur ständige Präsenz in Rufnähe benötigen, sondern häufig

 

ein unplanbares Eingreifen tagsüber und nachts erforderlich machen. Die ständige personelle Einsatzbe-

 

reitschaft zur Abwendung unmittelbarer Gefährdung muss rund um die Uhr notwendig sein.

 

Besondere Bedarfskonstellationen bei Kindern im Vergleich

 

Die beiden oben genannten besonderen Bedarfskonstellationen können zwar auch bei kleinen Kindern

 

vorkommen, führen aber nicht zu einem vergleichbar hohen Mehraufwand. Kleinkinder bedürfen ohne-

 

hin   der   kompletten   Übernahme   aller   Verrichtungen   und   der   ständigen   Beaufsichtigung.   Erst   ab   etwa

 

drei Jahren (Kindergartenalter) wirken sich die Folgen der benannten Bedarfskonstellationen vergleich-

 

bar zu Erwachsenen aus. Die Bedarfskonstellation „Gebrauchsunfähigkeit beider Arme und beider Beine“

 

ist insbesondere bei Kindern mit Infantiler Cerebralparese gegeben. Schwere Formen geistiger Behinde-

 

rungen können mit „ausgeprägten motorischen Verhaltensauffälligkeiten mit Selbst- oder Fremdgefähr-

 

dung“ einhergehen und einen extrem hohen Betreuungsaufwand verursachen.

 

Die   dargestellten   besonderen   Bedarfskonstellationen wurden   auch   im   Rahmen   der   hierzu eingeholten

 

pflegewissenschaftlichen Kurzexpertise von Bartholomeyczik & Höhmann (April 2013) bestätigt. Weitere

 

besondere   Bedarfskonstellationen   werden   weder   vom   Expertenbeirat   noch                von   den   Autorinnen   der

 

Kurzexpertise gesehenim Vergleich .

,

Vor diesem Hintergrund sieht es der Expertenbeirat als eine geeignete Möglichkeit an, neben der Einstu-

 

fung mit dem NBA eine gesonderte Berücksichtigung im Falle der genannten zwei Bedarfskonstellatio-

 

nen zuzulassen. Er schlägt vor, dass der Pflegegrad 5 (Personen mit einem außergewöhnlich hohem Hil-

 

fe- und Betreuungsbedarf) entweder erreicht wird

 

     a.   wenn der Schwellenwert von 90 Punkten erreicht wird oder

 

     b.   wenn unabhängig vom Schwellenwert eine Gebrauchsunfähigkeit beider Arme und beider Beine

 

          vorliegt oder

 

     c.   wenn      unabhängig      vom    Schwellenwert       ausgeprägte      motorische     Verhaltensauffälligkeiten         mit

 

          Selbst- oder Fremdgefährdung bestehen.

 

Auch   Kinder ab   drei   Jahren   (Kindergartenalter)   sollen   nach   Auffassung   des   Expertenbeirats   von   dieser

 

Regelung bei Vorliegen der entsprechenden Beeinträchtigungen erfasst werden.43

 

In der pflegewissenschaftlichen Kurzexpertise von Bartholomeyczik/Höhmann, die sich mit den Fragen

 

im Hinblick auf besondere Bedarfskonstellationen in der Pflege auseinandergesetzt hat, stellen die Au-

 

torinnen aus pflegewissenschaftlicher Sicht weitergehende methodische Fragen, die die Gewichtung der

 

Kriterien   (Items),   die   Aufteilung   in   Module   und die   Berechnung  der   Summenscores   als   Grundlage   der

 

Einstufung   in   die   Pflegegrade im Vergleich  bewegen.   Die   Wissenschaftlerinnen   empfehlen,  diese   Fragen   ergänzend

 

im Rahmen von Simulationsstudien zu prüfen. Ziel der Prüfung soll einerseits die Klärung der Frage sein,

 

ob sich die besonderen Bedarfskonstellationen über veränderte Gewichtungen der Items und Module in

 

das Instrument einarbeiten lassen. Weiterhin soll überprüft werden, ob eine weitere Vereinfachung der

 

Bewertungssystematik   möglich   ist,   um   die   Transparenz   und   Akzeptanz   des   neuen   Begutachtungsin-

 

struments noch zu verstärken. Die inhaltliche Plausibilität der im NBA erhobenen Items und die grund-

 

sätzliche   Geeignetheit   des   Instruments   zur   Einführung   werden   von   den   Wissenschaftlerinnen   nicht   in

 

Frage gestellt.

 

Seitens der Entwickler des NBA besteht die Einschätzung, dass eine Einarbeitung der besonderen Be-

 

darfskonstellationen   in   das   NBA   voraussichtlich   nicht   durch   einfache   Änderungen   des   NBA   erfolgen

 

kann, ohne dass es zu wesentlichen Verschiebungen bei der Einstufung von Personengruppen durch das

 

NBA kommt. Zudem sei von diesem Aspekt nur eine sehr kleine Gruppe betroffen, die Extremfälle dar-

 

stellten und daher außerhalb der gegenwärtigen Systematik des NBA lägen.

 

43 Eine Geltung der besonderen Bedarfskonstellation bereits ab dem Alter von 18 – 36 Monaten wird dem gegenüber nicht als sinnvoll angese-

hen,   da   diese   Kinder   mit   und   ohne   besondere   Bedarfskonstellation  sowohl   der   umfänglichen   Pflege   als   auch   der   ständigen   Beaufsichtigung

bedürfen. Der Pflegegrad 5 kann daher für Kinder über besondere Bedarfskonstellationen erst ab drei Jahren, die für den Pflegegrad 5 erforder-

lichen 90 Punkte können erst ab fünf Jahren erreicht werden. Die Voraussetzungen des Pflegegrads 4 können regulär ab 18 Monaten erreicht

werden.

 

Der Expertenbeirat weist darauf hin, dass die Einführungsreife des NBA bereits durch den Beirat 2009

 

festgestellt wurde. Der Expertenbeirat bestätigt diese Einschätzung erneut.

 

Gleichwohl ist das NBA als „lernendes System“ zu begreifen. Insofern empfiehlt der Expertenbeirat, die

 

von   den   Wissenschaftlerinnen   aufgeworfenen   Fragen  zu   prüfen.   Die   Einführung   des   neuen   Pflegebe-

 

dürftigkeitsbegriffs sollte auch durch eine wissenschaftliche Evaluation begleitet werden. Die Fragen der

 

Wissenschaftlerinnen sollten im Rahmen dieser Evaluation mit aufgegriffen werden.

 

Die ausführlichen Ausarbeitungen der zuständigen Teams der AG 2 zur Frage besonderer Bedarfskons-

 

tellationen sind – ebenso wie die pflegewissenschaftliche Kurzexpertise von Bartholomeyczik/Höhmann

 

–          auf         der         Webseite            des         Bundesministeriums               für        Gesundheit

 

(www.bundesgesundheitsministerium.de/Beiratsbericht-Pflegebeduerftigkeitsbegriff)   als   externe   Anla-

 

gen zum Bericht des Expertenbeirats verfügbar.

 

3.1.4. Einstufung von Kindern von 0-18 Monaten

 

Im Expertenbeirat war die Frage aufgeworfen worden, ob das NBA auch für Kinder im Alter bis zu 12

 

Monaten sinnvoll eingesetzt werden könne. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Abstände zwischen

 

den   Übergängen   der   Entwicklungsstadien,   die   der   Bewertungssystematik   zugrunde   liegen,   so   gering

 

seien, dass sich das Verhältnis zwischen alters- und krankheitsbedingter Abhängigkeit von Personenhilfe

 

innerhalb weniger Wochen verschieben könne. Die auf diese Weise in kurzen Zeitabständen notwendig

 

werdenden Wiederholungsbegutachtungen                 sind den betroffenen Familien nicht zuzumuten. Dabei ist

 

auch zu berücksichtigen, dass bei Kindern für die Zuordnung zu einer Pflegestufe der zusätzliche Hilfe-

 

bedarf gegenüber einem gesunden, gleichaltrigen Kind maßgebend ist (§ 15 Abs. 2 SGB XI).

 

Hierzu gibt der Expertenbeirat die folgenden Hinweise:

 

Säuglinge sind in allen Bereichen des Alltagslebens unselbständig. Je jünger ein Kind ist, umso weniger

 

ist es möglich, über die Merkmalsausprägung „selbständig“ bzw. „unselbständig“ den über das übliche

 

Maß der Pflege und Versorgung eines Säuglings hinausgehenden Pflegebedarf abzubilden. Erst mit zu-

 

nehmendem   Alter   eines   Kindes   erfasst   die   Abweichung   vom   altersgemäßen   Grad   der   Selbständigkeit

 

auch das Maß an Abhängigkeit von personeller Hilfe und Versorgung.

 

Der für den Pflegegrad 2 notwendige Summenscore von 30 Punkten kann erst ab einem Alter von 3 Mo-

 

naten und nur bei schwerstkranken, in der Regel hirngeschädigten Kindern erreicht werden, die sowohl

 

hochgradige   Verhaltensauffälligkeiten   (Modul   3)   aufweisen   als   auch   einen   umfangreichen   Hilfebedarf

 

bei den krankheitsbedingten Anforderungen (Modul 5) haben. Die Voraussetzungen für den Pflegegrad 4

 

können   frühestens   mit   18   Monaten   erfüllt   werden.   Ein   Großteil   der   jetzt   eingestuften   Säuglinge   und

 

Kleinkinder unter 18 Monaten könnten daher nach dem NBA keinen oder nur einen niedrigen Pflegegrad

 

erreichen.

 

Aus    den   Fallbeschreibungen       von   Kindern    im   ersten  Lebensjahr     –  für  die  aufgrund     entsprechender

 

Krankheiten      und    Behinderungen       Anträge    auf  Pflegeversicherungsleistungen         gestellt   wurden    –  wird

 

deutlich, dass die Bedarfslagen dieser Kinder unabhängig vom zugrunde liegenden Krankheitsbild (z. B.

 

frühkindliche Hirnschädigung, angeborene Herzfehler) in der Regel von Trinkschwäche, „tröpfchenwei-

 

ser“   oder   besonders     häufiger   Nahrungsaufnahme,          Schluckstörungen       und   Erbrechen     gekennzeichnet

 

sind. Einen sehr pflegeintensiven Hilfebedarf im Bereich der Ernährung haben auch Kinder mit angebo-

 

rener    Lippen-/Kiefer-/Gaumenspalte            oder   Fehlbildungen      des  Verdauungstraktes       (z. B.  Oesophagus-

 

Atresie, Pylorus-Stenose), bei denen sich der Aufwand für die Ernährung nach erfolgter Operation früher

 

oder später normalisieren kann.

 

Der Expertenbeirat empfiehlt daher, Kinder bis zum 18. Lebensmonat, die einen Scorewert von 30 Punk-

 

ten   erreichen,   in   einen   eigenen,   pauschalen   Pflegegrad   einzuordnen   und   diesen   leistungsrechtlich   mit

 

einem Betrag zwischen dem Pflegegrad 2 und dem Pflegegrad 3 zu hinterlegen. Um diesen Punktwert

 

von   30   Punkten   zu   erreichen,   müssen   Einschränkungen   in   mindestens   zwei   Modulen   bestehen.   Dabei

 

kommen   einerseits   die   beiden   altersunabhängigen   Module   3   (maximal  15   Punkte)   und   5   (maximal   20

 

Punkte) in Betracht, andererseits das Modul 4, erweitert um die besondere Bedarfskonstellation „Beste-

 

hen   gravierender   Probleme   bei   der   Nahrungsaufnahme,   die   einen   außergewöhnlich   pflegeintensiven

 

Hilfebedarf im Bereich der Ernährung auslösen“, die mit 20 Punkten bewertet wird. Eine erneute Begut-

 

achtung erfolgt mit 18 Monaten oder vorher, wenn relevante Änderungen zu erwarten sind (z.B. durch

 

eine erfolgreiche Operation).

 

Ab 18 Monaten werden die Kinder regulär mit dem NBA begutachtet, weil bei anhaltender Unselbstän-

 

digkeit auch andere Module in die Bewertung einfließen können. Ab dieser Altersstufe können regulär

 

die Pflegegrade 3 und 4 erreicht werden. Nach einer vorangegangenen pauschalen Einstufung zwischen

 

Pflegegrad   2   und   3   werden   bei   Kindern,   die   bis   dahin   keinen   Entwicklungsfortschritt   gemacht   haben,

 

Rückstufungen vermieden.

 

 

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