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Tabelle 2: Aktualisierte Bewertungssystematik

 

Die in der Hauptphase 2 vorgeschlagene und aufgrund der Empfehlung des Expertenbeirats geänderte

 

Zuordnung zu den Punktbereichen/Scorewerten ist für die einzelnen Module farbig hervorgehoben. Die

 

jeweils erste Zeile in den Modulen stellt die in den  Items möglichen Punktzahlen dar. Die jeweils letzte

 

Zeile (fett gedruckt) stellt die modulspezifischen Scorewerte dar, in denen sich die Gewichtung der Mo-

 

dule widerspiegelt.

 

                                                       Zuordnung zu den Punktbereichen / Scorewert

 

                                                       0             1             2              3             4

                                                       Keine         Geringe       Erheb-         Schwere       Völlige

                                                                                   liche

 

                                          Gewich-      Beeinträchtigung   der   Selbständigkeit/Fähigkeit   im   Mo-

 Module im Vergleich                                  tung         dul

 

                                                       0 – 1         2 – 3         4 – 6           7 – 9         10 – 15

 

 1       Mobilität                         10%         0              2,5           5              7,5           10

 

        Kognitive      und   kommuni-

 2      kative Fähigkeiten***                          0 – 1         2 – 5          6 – 10         11 – 16       > 16

 

        Verhaltensweisen            und

 3      psychische Problemlagen                        0              1 – 2         3 – 4          5 – 6         > 6

 

        Höchster        Wert     aus    2

 2+3    oder 3                            15%          0              3,75          7,5            11,25         15

 

                                                       0 – 3         4 – 9         10 – 24         25 – 39       > 39

 

 4       Selbstversorgung                  40%         0              10            20             30            40

 

        Umgang       mit   krankheits-                 0              1             2 – 3          4 – 5         6 – 12

        und        therapiebedingten

 5      Anforderungen                      20%         0              5             10             15            20

 

                                                       0 – 1         2 – 3         4 – 6           7 – 11        12 – 18

        Gestaltung      des  Alltagsle-

 6      bens und soziale Kontakte          15%         0              3,75          7,5            11,25         15

 

        Außerhäusliche         Aktivitä-               Die   Berechnung   einer   Modulbewertung   ist   entbehrlich,

 7      ten                                            da   die   Darstellung    der   qualitativen   Ausprägungen       bei

                                                       den   einzelnen   Aktivitäten   ausreichend   ist,   um   Anhalts-

                                                       punkte für eine Hilfeplanung abzuleiten zu können (sie-

 8       Haushaltsführung                              he dazu Ziff. 3.1.2 des Berichts).

 

Weiterhin hat der Expertenbeirat eine Übersicht über die Schwellenwerte, wie sie sich im Verlaufe der

 

Beratungen des Beirats 2009 entwickelt haben, erstellt, die Ausgangspunkt der Beratungen des Exper-

 

tenbeirats war:

 

Tabelle 3: Schwellenwerte mit Änderungsverlauf im Vergleich

 

                1                           2                           3                            4

 

                Abschlussbericht             Umsetzungsbericht           Umsetzungsbericht           Umsetzungsbericht

Pflegegrad      Haupthase 1                 vom 20.05.2009              vom 20.05.2009               vom 20.05.2009

                20.08.2008                  Szenario II                 Variante 1                   Variante 2

 

0               0 – 9                       0 – 14                      0 – 14                       0 – 14

 

1               10 – 29                     15 – 29                     15 – 29                      15 – 29

 

2               30 – 49                     30 – 59                     30 – 49                      30 – 49

 

3               50 – 69                     60 – 79                     50 – 69                      50 – 69

 

4               70 – 100                    80 –100                     70 –100                      70 – 89

 

                70 – 100                    80 – 100                    70 – 100                     90 – 100

                + besondere Bedarfs-        + besondere Bedarfs-        + besondere Bedarfs-

5               konstellation               konstellation               konstellation

 

Der Beirat 2009 hatte beschlossen, den Schwellenwert zum Bedarfsgrad 37 1 von 10 auf 15 Punkte anzu-

 

heben.   Für   die   Pflegegrade   2   bis  4   (5)   hat   der   Beirat   2009   die   Umsetzungsempfehlung   gegeben,   die

 

Schwellenwerte   zu   belassen,   da  ansonsten   der   Zugang   von   überwiegend   körperlich   beeinträchtigten

 

Personen zu den höheren Pflegegraden erschwert oder unmöglich gemacht würden.38

 

Danach stellen sich die aktuellen Schwellenwerte, die der Expertenbeirat bestätigt, im Ergebnis wie folgt

 

dar:

 

Tabelle 4: Aktuelle Schwellenwerte des Expertenbeirats (Stand: Mai 2013)

 

                       Kein Pfle-      Pflegegrad        Pflegegrad        Pflegegrad        Pflegegrad       Pflegegrad

 

                       gegrad          1                 2                 3                4                 5

 

Schwellenwerte         0 – 14           15 – 29           30 – 49           50 – 69          70 – 89           90 – 100

(von – bis)

 

37 Nunmehr: Pflegegrad, siehe Ziffer 3.1.7. in diesem Bericht.

38 Umsetzungsbericht des Beirats (2009), S. 48.

 

Zum Umgang mit besonderen Bedarfskonstellationen hat der Expertenbeirat zwei Varianten für die kon-

 

krete Ausgestaltung erarbeitet, die unter Ziffer 3.1.3. dargestellt und kommentiert werden.

 

Die ausführlichen Ausarbeitungen der zuständigen Teams der AG 2 zur aktualisierten Bewertungssyste-

 

matik     und   den   Schwellenwerten        sind   auf  der   Webseite     des   Bundesministeriums        für  Gesundheit

 

(www.bundesgesundheitsministerium.de/Beiratsbericht-Pflegebeduerftigkeitsbegriff)   als   externe   Anla-

 

gen zum Bericht des Expertenbeirats verfügbar.

 

3.1.2. Umgang mit den Modulen 7 und 8 des NBA

 

In   der   Hauptphase   1   wurden   innerhalb   der   Module  7   und   8   Stufen   der   Hilfebedürftigkeit   entwickelt.

 

Diese Hilfebedürftigkeit wird als Vorstufe zur Pflegebedürftigkeit angesehen. Da die Erhebung der Be-

 

einträchtigungen aus den Modulen 1 bis 6 bereits alle für die Feststellung von Pflegebedürftigkeit rele-

 

vanten Aspekte umfasst, werden die Module 7 und 8 bei der rechnerischen Ermittlung des Pflegegrads

 

nicht mit berücksichtigt.

 

Im   Interesse   einer   umfassenden   Einschätzung   der   individuellen   Bedarfslagen   auch   über   die   Einschät-

 

zung   der   Pflegebedürftigkeit   mit   den   Modulen   1   bis  6   hinaus   wurde   es   vom   Beirat   2009   dennoch   als

 

richtig angesehen, die Module 7 und 8 als Bestandteil des Instruments beizubehalten, da sie einen hohen

 

Stellenwert für eine umfassende Beratung, für Empfehlungen zur Optimierung der häuslichen Versor-

 

gungssituation sowie für die individuelle Pflege- und Hilfeplanung haben.

 

Angesichts der komplexen Bewertungssystematik der Module 7 und 8 und der Nichteinbeziehung in die

 

Berechnung des Pflegegrads empfiehlt der Expertenbeirat – anknüpfend an den Beirat 2009 –, auf die

 

Ermittlung   von   eigenen   Punkt-   und   Scorewerten   für diese   Module   zu   verzichten.   Die   Darstellung   der

 

qualitativen Ausprägungen zu den einzelnen Kriterien reicht nach Einschätzung des Expertenbeirats für

 

die Nutzung im Rahmen der Hilfeplanung aus.

 

Die ausführlichen Ausarbeitungen der zuständigen Teams der AG 2 zu den Modulen 7 und 8 sind auf der

 

Webseite                     des                   Bundesministeriums                       für                  Gesundheit

 

(www.bundesgesundheitsministerium.de/Beiratsbericht-Pflegebeduerftigkeitsbegriff)   als   externe   Anla-

 

gen zum Bericht des Expertenbeirats verfügbar.

 

3.1.3.   Umgang   mit   besonderen   Bedarfskonstellationen   unter   Berücksichtigung   der   Schwellenwerte

 

des NBA

 

In den Empfehlungen des Beirats 2009 zur Bestimmung des Pflegegrads 5 war offen geblieben, ob eine

 

Zuordnung zum Pflegegrad 5 ab einem bestimmten Schwellenwert oder bei Vorliegen bestimmter Be-

 

darfskonstellationen erfolgen soll. Nach Auffassung des Beirats 2009 sollen die nach fachlichen Kriterien

 

am   schwersten   von   Pflegebedürftigkeit   betroffenen   Personen   dem   höchsten   Pflegegrad   zugeordnet

 

werden.39     Der   Pflegegrad   5   erfasst   daher   die   Fälle   schwerster   Beeinträchtigungen   der   Selbständigkeit,

 

die mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung einhergehen.

 

Zum Umgang mit dem Pflegegrad 5 hat der Expertenbeirat auf der Basis der Überlegungen des Beirats

 

2009 als Ausgangspunkt die folgenden zwei Varianten betrachtet:

 

     • Variante 1: Um in den Pflegegrad 5 eingestuft zu werden, ist ein Punktwert von mindestens 70

 

           Punkten zu erreichen; zusätzlich muss eine bestimmte zu definierende Bedarfskonstellation vor-

 

           liegen. Diese Variante ähnelt der Begründung der gegenwärtigen „Härtefälle“.

 

     • Variante 2: Die Einstufung in den Pflegegrad 5 wird – wie auch bei den anderen Pflegegraden –

 

          alleine über die Erreichung eines Punktwerts von mindestens 90 Punkten bewirkt. Damit sollen

 

           die   Probleme   und   Unwägbarkeiten   vermieden   werden,   die   mit   einem   Verfahren   entsprechend

 

           der heutigen Härtefallregelung verbunden sind.40

 

Zur Entwicklung entsprechender Empfehlungen wurde durch die von der AG 2 damit betrauten Fachex-

 

pert/innen       untersucht,    wie   sich   ein  außergewöhnlich        hoher    bzw.    intensiver   Hilfebedarf     nach    NBA-

 

                                                                                        41 aus acht Medizinischen Diensten

Kriterien in den Pflegegraden abbildet. Hierzu wurden 90 Gutachten

 

der Krankenversicherung und von Medicproof ausgewertet, in denen nach heutigen Kriterien ein Härte-

 

fall dokumentiert ist („Härtefall-Gutachten“). Der in den Härtefall-Gutachten dokumentierte Hilfebedarf

 

der Personen mit und ohne erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz wurde anhand des Manuals zum

 

NBA und der zugrunde liegenden Bewertungssystematik in eine Matrix übertragen und es wurden die

 

jeweiligen Punktwerte nach dem NBA errechnet.

 

39 Aus der differenzierten Sekundärdatenanalyse (N = 738) von Wingenfeld & Gansweid (2013) wird deutlich, dass das NBA viele spezielle Be-

darfskonstellationen besser als bisher erfasst und tendenziell in höhere Pflegegrade einstuft (S. 54.). Diese betrifft z. B. im Grundsatz auch die

hier aufgezeigte besondere Bedarfskonstellation der Gebrauchsunfähigkeit beider Arme und beider Beine, dort unter dem Stichwort „Tetraple-

gie“ erfasst (S. 52). Tetraplegiker werden nach den Analysen von Wingenfeld & Gansweid (2013) überwiegend in die Pflegegrade 4 und 5 einge-

stuft und teilweise in Pflegegrad 3 (bisher: Pflegestufe II und III).

40 Beirat zur Überprüfung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs (2009b), S. 23.

41 Bei den gegenwärtigen Leistungsbeziehern gibt es in der vollstationären Versorgung 5.925 Härtefälle (= 4,1% der Pflegestufe III) sowie in der

ambulant-häuslichen Versorgung 1.753 Härtefälle (= 1,1% der Pflegestufe III) , Bundesministerium für Gesundheit (2011).

 

Die Ergebnisse der Analyse der Gutachten lassen sich wie folgt zusammen fassen: In den meisten – in

 

den Härtefall-Gutachten dokumentierten – Fällen bestand eine erhebliche oder in erhöhtem Maße ein-

 

geschränkte   Alltagskompetenz   im  Sinne   des   §   45a   SGB   XI.   Dieser   Personenkreis   erzielt   aufgrund   der

 

Bewertungen in den Modulen 2 und 3 und der Gewichtungen dieser Module in der Regel höhere Punkt-

 

werte als Personen, deren Alltagskompetenz nicht erheblich eingeschränkt ist.

 

Bei der Auswertung der Härtefall-Gutachten wurden eine Gruppe von Personen identifiziert, die derzeit

 

als   Härtefälle   eingestuft   sind   und   die   nach   fachlichen   Kriterien   als   sehr   schwer   betroffen   angesehen

 

werden müssen, die aber über die Punktwerte nur eine Einstufung in den Pflegegrad 3 oder 4 erhalten.

 

Dabei handelt es sich zum einen um Personen mit hochgradigen motorischen Beeinträchtigungen, aber

 

erhaltenen kognitiven Fähigkeiten (ohne eingeschränkte Alltagskompetenz), z. B. bei folgenden Krank-

 

heitsbildern:   Tetraplegie,   hohe   Querschnittslähmung,   Amyotrophe   Lateralsklerose,   Multiple   Sklerose

 

und Morbus Parkinson im fortgeschrittenen Stadium. Zum anderen fiel eine Gruppe von Personen mit

 

hochgradigen   kognitiven   Beeinträchtigungen,   aber erhaltenen   motorischen   Fähigkeiten   auf,   bei   denen

 

eine extreme motorische Unruhe bestand. Personen mit anderen Bedarfskonstellationen, insbesondere

 

solchen, die bei der Entwicklung des NBA bereits als besondere Bedarfskonstellationen erfasst wurden,

 

werden mit dem NBA ausreichend erfasst und in angemessen hohe Pflegegrade eingestuft.42

 

Der Expertenbeirat empfiehlt, wenn sich der Gesetzgeber oder die Vereinbarungspartner auf der Basis

 

einer entsprechenden gesetzlichen Ermächtigung entscheiden, besondere Bedarfslagen, z. B. als Grund-

 

lage für ein Erreichen des Pflegegrades 5, im Gesetz/in Richtlinien auszuweisen, diese nicht anhand von

 

Diagnosen oder Krankheitsbildern, sondern anhand der jeweiligen Beeinträchtigungen zu beschreiben.

 

Die beiden identifizierten besonderen Bedarfskonstellationen, die Personen mit schwersten Beeinträch-

 

tigungen und außergewöhnlich hohem bzw. intensivem Hilfebedarf betreffen, die gleichwohl nicht ohne

 

weiteres den höchsten Pflegegrad erreichen, werden nachfolgend kurz beschrieben:

 

Gebrauchsunfähigkeit beider Arme und beider Beine

 

Eine der beiden besonderen Bedarfskonstellationen basiert auf dem Kriterium der „Gebrauchsunfähig-

 

keit beider Arme und beider Beine“. Diese umfasst nicht zwingend die Bewegungsunfähigkeit der Arme

 

und Beine, sondern den vollständigen Verlust der Greif-, Steh- und Gehfunktionen. Sie ist nicht nur bei

 

Lähmungen   aller   Extremitäten   erfüllt,   sondern   kann  auch   bei   hochgradigen   Kontrakturen,   rheumati-

 

schen Versteifungen, hochgradigem Tremor und Rigor bei Morbus Parkinson oder Athetose bei Chorea

 

42 Dies wird auch durch erneute Sekundärdatenanalysen (N = 738) von Wingenfeld & Gansweid (2013) belegt, vgl. dort S. 49.

Pflegeversicherung Vergleich Stiftung Warentest